USA (Rhode Island) 30.5.2024

Block Island 2026: New Englands entspanntes Juwel

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Knapp 20 Kilometer vor der Küste von Rhode Island verbindet Block Island viktorianischen Charme mit einer rauen, windgepeitschten Schönheit. Die Nature Conservancy hat sie zu einem der „Last Great Places” der westlichen Hemisphäre erklärt – über 40 % der Insel stehen unter Naturschutz. Für 2026 bleibt Block Island die unprätentiöse Alternative zu Nantucket und Martha’s Vineyard: keine Ladenketten, keine Ampeln, keine Hochhäuser. Nur sanfte grüne Hügel, Steinmauern, dramatische Lehmklippen und das offene Meer.

Geschichte: Adriaen Block und die Manissean

Der niederländische Entdecker Adriaen Block kartierte die Insel 1614 als erster Europäer und gab ihr – über Umwege – seinen Namen. Die ursprünglichen Bewohner waren die Manissean (ein Algonquin-Stamm), die die Insel Manisses nannten – „kleines Götterinsel”. Sie lebten hier seit mindestens 2.500 Jahren von Fischerei, Jagd und einem frühen Handelsweg über den Sound.

1636 erreichten erste englische Siedler die Insel; 1661 wurde Block Island offiziell als Kolonie gegründet. Die Siedler brachten Schafe und Rinder mit, rodeten den Großteil der ursprünglichen Wälder und formten durch Jahrhunderte der Landwirtschaft die offene Hügellandschaft, die heute charakteristisch für die Insel ist. Die Steinmauern, die die Insel überziehen, sind Überreste dieser landwirtschaftlichen Vergangenheit – aufgestapelt von Generationen von Farmern aus Feldsteinen, die beim Pflügen störten.

Mohegan Bluffs: Das dramatischste Panorama

Die Mohegan Bluffs an der Südküste sind ein Muss. Diese imposanten Lehmklippen – bis zu 60 Meter über dem Atlantik – entstanden durch glaziale Ablagerungen während der letzten Eiszeit. Das Eis schob riesige Mengen an Ton, Sand und Geröll vor sich her; als es schmolz, blieb dieser „Drumlin” als Insel zurück. Heute erodiert der Atlantik die Klippen kontinuierlich – die Küstenlinie rückt jährlich um einen halben Meter zurück.

Eine 141-stufige Holztreppe führt hinunter zum Strand am Fuß der Klippen. Der Blick von oben ist spektakulär: rechts der Southeast Lighthouse (1874) aus rotem Backstein, links die offene See bis Rhode Island und Connecticut. 1993 wurde der Leuchtturm in einer spektakulären Engineering-Aktion 60 Meter landeinwärts versetzt, nachdem die Erosion sein Fundament bedrohte. Heute ist er Museum und einer der schönsten Leuchttürme Neuenglands.

Vogelbeobachtung: Ein kontinentaler Knotenpunkt

Block Island ist eine der Top-10-Vogelbeobachtungs-Stationen der USA (American Bird Conservancy). Die Insel liegt auf der Atlantic Flyway – einer der Hauptzugvogelrouten Nordamerikas. Im Herbst (September–November) rasten hier Hunderttausende Zugvögel: Waldwarblers, Sperlinge, Greifvögel, Shorebirds. Über 150 Vogelarten wurden dokumentiert.

Das Clay Head Nature Trail und das Greenway-Netz (40+ km) sind die besten Beobachtungsorte. Leihferngläser gibt es in der Bibliothek. Der Block Island Bird Club organisiert in der Hauptzugsaison geführte Touren.

Block Island Wind Farm: Erstes Offshore-Windprojekt der USA

2016 ging vor Block Island der erste kommerzielle Offshore-Windpark der USA in Betrieb – fünf Turbinen von Deepwater Wind, die die gesamte Insel mit Strom versorgen. Zuvor war die Insel abhängig von teuren Dieselgeneratoren; der Windpark hat die Stromkosten für Einwohner erheblich gesenkt. Bootstouren zu den Turbinen (ca. 5 km vor der Küste) sind buchbar. Der Windpark ist ein greifbares Beispiel für erfolgreiche Energiewende auf kleiner Inselskala.

Glass Float Project: Die Schatzsuche

Das Glass Float Project ist eine der originellsten Touristenattraktionen Neuenglands. Jedes Jahr werden 550 nummerierte und datierte Glaskugeln – mundgeblasen, im japanischen Stil von Fischernetzkugeln – an Stränden und Wanderwegen der Insel versteckt. Wer eine findet, darf sie behalten. Das ist das ultimative Souvenir: zufällig, handgefertigt und unwiederholbar. Die Kugeln werden ab Januar versteckt; manche bleiben bis in den Herbst unentdeckt. Koordinaten und Hinweise werden manchmal über Social Media geteilt.

Ikonische Erlebnisse

Mansion Beach: Ruinen eines Herrenhauses (das in den 1960ern abbrannte) im Dünengrün hinter einem langen, offenen Atlantikstrand. Hervorragendes Bodysurfen bei Swell.

Great Salt Pond (New Harbor): Das Naturschutzgebiet im Inselinneren ist im Sommer ein Bootsfluchthafen für hunderte Segelboote aus dem Sound. Das Restaurant The Oar am Hafen – bekannt für Sonnenuntergänge und frischen Hummer – ist ein Block-Island-Klassiker.

Radtour: Die Umrundung der Insel ist ca. 20 km lang und hügelig. Mopeds sind der schnellere Weg – aber Mopedunfälle sind die Verletzungsursache Nr. 1 bei Touristen. Für Unerfahrene: Fahrrad bevorzugen.

Gastronomie: Chowder, Hummer und Mudslide

  • New England Clam Chowder: Dicke weiße Muschelsuppe mit Kartoffeln und Speck. Auf Block Island oft mit frischen lokalen Muscheln gemacht.
  • Lobster Roll: Gegrilltes oder mit Mayonnaise gemischtes Hummerfleisch im Hotdog-Brötchen. Der Sommerlunch schlechthin.
  • Mudslide: Das inseltypische Getränk – Wodka, Kahlúa, Bailey’s und Eiscreme. Ein flüssiges Dessert, das auf Ballard’s Beach serviert wird.
  • Persephone’s Kitchen: Das beliebteste Café für Frühstück und Mittagessen, bekannt für hausgemachte Backwaren.

Beste Reisezeit und Tipps 2026

  • September: Wasser noch warm (21°C), Massen weg, günstigere Preise – der beste Monat.
  • Zecken: Lyme-Borreliose ist verbreitet. Auf Wegen bleiben, Zeckenschutz tragen, nach dem Wandern absuchen.
  • Fähre von Point Judith: Die einzige Autofähre (55 Min.), auch als Schnellkatamaran (30 Min.). Im Sommer früh buchen.
  • Kurtaxe: Keine (anders als auf deutschen Inseln). Parken und Ankommen sind unkompliziert.

Block Island ist nostalgisch – der Sommer, wie er früher war. Grüne Hügel, blauer Ozean und die einfache Freude einer Fahrradtour in der Sonne.

Geologie: Eine Insel aus dem Eis

Block Island ist glazialen Ursprungs – ein klassischer Endmoränenrücken, entstanden am Ende der letzten Eiszeit (vor ca. 18.000 Jahren). Als der Laurentidische Eisschild auf seinem Höhepunkt stand, schob er gewaltige Mengen an Geröll, Ton, Sand und Findlingen vor sich her. Die Südküste – mit den Mohegan Bluffs – ist der Rand dieser Moräne; die Nordküste ist flacher und sandiger. Der Great Salt Pond im Inselinnern ist ein ehemaliges Meeresarm, der durch Sandablagerungen vom Ozean abgeschnitten wurde und heute eine natürliche Lagune bildet. Im Sommer ist er Heimathafen für hunderte Segelboote, die vor Atlantikstürmen Zuflucht suchen; seine ruhigen Gewässer gelten als eines der sichersten Bootszufluchten der Neuengland-Küste. Das Mischen von salzigem und frischem Wasser in der Lagune schafft ein einzigartiges Ökosystem mit eigenen Fisch- und Vogelarten. Wanderungen rund um den Pond sind im Herbst besonders lohnend – wenn Zugvögel rasten und das Licht golden über den Schilfgürteln liegt.